Sex im Weltall

Frauen und James Bond – nicht mal im Weltall scheinen sie vor dem Geheimagenten sicher zu sein, wie bei Moonraker von 1979 deutlich wurde. Ist Sex im All reine Hollywood Phantasie? Wir machen den Faktencheck.

Sex im Weltall – nicht einfach. Copyright by MaxPixel

In der Abschlussszene von Moonraker findet sich James Bond wie so oft in den Armen einer Frau, von einer leichten Decke umwoben. Das Neue dabei ist: Das Paar schwebt eng umschlungen frei im Raumschiff einen Meter über dem Bett. Völlig der Raumzeit entrückt scheint es das ultimative Erlebnis zu sein. Im Film. Um herauszufinden, ob Sex im realen Leben im All möglich ist, fragt man am besten Personen, die diese Erfahrung möglicherweise bereits in der Realität gemacht haben: Astronaut:innen.

Kam bisher nicht vor. Angeblich.

Valery Bogomolov, der Direktor des Institute of Biomedical Problems in Moskau, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur interfax, dass es mit Sicherheit bisher unter den russischen Astronaut:innen nicht vorgekommen wäre.

Wenn das glaubwürdig wäre, dann wäre folgendes beachtlich: Fast 438 Tage am Stück war der russische Kosmonaut Valeri Polyakov im Weltraum im Einsatz und hält bisher damit den Rekord in seinen Händen – und nichts anderes. 438 Tage Enthaltsamkeit.

Laut der NASA ist der Sex bei amerikanischen Astronaut:innen nicht verboten, allerdings sollten sie sich auf den Beziehungsstatus „professionelle Kollegialität“ beschränken. Sollte es auf der Internationalen Raumstation ISS zu Sex gekommen sein, wäre es zumindest der schnellste bei etwa 28.000 km/h auf der Umlaufbahn um die Erde.

Biologische Hindernisse

In ihrem Buch „Packing for Mars“ spricht Mary Roach über menschliche Grundvollzüge: Essen, schlafen, Toilette benutzen – und Masturbation. Dabei geht sie auf viele biologische Einzelheiten ein. Es ist erstaunlich, wie stark Sex auf Schwerkraft angewiesen ist. Das Blut befindet sich aufgrund der Schwerkraft zunächst im unteren Teil des menschlichen Körpers und muss mit Herzmuskelkraft nach oben gepumpt werden. Diese Kraft ist auch für eine Erektion nötig. Im Weltall braucht es diese Kraft nicht, das Herz leistet weniger – und vielleicht auch das Geschlechtsorgan. Auch der Östrogenspiegel verringert sich, der Sextrieb lässt nach. Auch die Pille der Frau, die für die Zeit der Mission genommen wird, um Menstruation zu vermeiden, sorgt für ein Abnehmen der Libido.

Ein anderes Problem ist der Widerstand. Im All löst jede Bewegung eine Gegenbewegung aus. Auf der Erde wird diese durch die Schwerkraft und beispielsweise Bett oder Boden abgefangen. Im All nicht.

Eine Lösung verweist auf eine Praxis bei Delfinen, die manchmal im Wasser, wo ein ähnliches Problem besteht, einen dritten zu Hilfe nehmen, der als Widerstand dient. Im All könnte das eine dritte Person sein, eine Art Schlafsack oder Klettbänder an den Wänden. Ernsthaft.

Wozu verheimlichen?

Möglichkeiten dazu hat es schon gegeben: 1982 fand die erste gemischtgeschlechtliche Weltraummission statt. Die russische Kosmonautin Svetlana Savitskaya war mit ihren zwei männlichen Kollegen acht Tage lang auf der Soyuz T-7 Mission unterwegs. 1992 startete NASAs Space Shuttle Endeavor mit einem Ehepaar an Bord ins All. Astronaut Mark Lee und Astronautin Jan Davis hatten sich bei der NASA kennengelernt und sich verliebt.

Der Astronaut Ulrich Walter verrät gegenüber der Deutschen Welle, dass zumindest der russische Teamarzt 1982 davon ausging, dass die gemischtgeschlechtliche Besatzung nicht ohne Hintergedanken geplant war. Ob es funktioniert hat, wird natürlich verschwiegen. Aber: Der Astronaut Leroy Chiao, der auf vier Missionen im All war, war überzeugt: Ein Mann, der Sex im All gehabt hat, wird es sich nicht verkneifen können, damit zu prahlen. Es wüsste jeder auf dieser Erde. Aus diesem Grund, so enttäuschend es sein mag, wäre es unwahrscheinlich, dass bis heute ein Mann Sex im All gehabt hätte.

Eine Frage der Zeit

Aber space.com sagt voraus, dass es nur eine Frage der Zeit wäre. Be“mann“te Missionen zum Mars sind auf Jahre ausgelegt. Spätestens seit Milliardäre den Weltraumtourismus eröffneten, ist es schwer vorstellbar, dass diese Touristen auf Sex verzichten würden, auch weil sie es gewöhnt sind, sich alles leisten zu können. Angeblich hat Richard Branson einen Ein-Millionen-Dollar-Deal ausgeschlagen mit der Anfrage, eine Sex-in-Space Pornoproduktion zu unterstützen. Hoffen wir nur, dass die Klettbänder im Raumschiff in beiderseitigem Einvernehmen angelegt werden.

Kurz und bündig:

  • Sex im All ist schwieriger, aber nicht unmöglich
  • Fehlende männliche Prahlerei ist vielleicht der beste Hinweis, dass es bisher keinen Sex im All gegeben hat
  • Weltalltouristen werden Sex haben, spätestens auf dem Flug zum Mars

Hannes Bräutigam