Liebe im Weltall

Dafür, dass das Weltall wüst, leer und ziemlich kalt sein soll, wird es verblüffend oft als Metapher für Liebesdinge herangezogen. Wir bieten einen Überblick.

Liebe im Weltall. Foto: pixabay, creative common

„… und die Erde war wüst und leer und es war finster.“ So ähnlich beschreibt die Bibel das, was früher unter der Gesamtheit der Schöpfung verstanden worden ist, das Universum. Doch auf einmal werden Teile davon ganz anders interpretiert. Die Venus wird mit Liebe in Verbindung gebracht, Männer mit dem Mars, und der Stand der Sterne und Planeten relativ zur Erde soll über unser individuelles Schicksal in Liebesdingen bei uns auf Erden entscheiden, so behauptet es die Astrologie.

Der Liebesplanet Venus

Der Planet erhielt seinen Namen von der römischen Liebesgöttin Venus. In der fantasiereichen Trilogie „Perelandra“ von C.S. Lewis dient er noch als Ort des Paradieses. In der abend- und morgenländischen Kultur wird er weitestgehend mit Weiblichkeit identifiziert, man denke an den Buchtitel „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ von Cris Evatt. Der Planet verrät, warum Frauen so gerne shoppen gehen und klärt, ob sie so viel mehr reden als ihre männlichen Partner vom Mars.

Dabei ist der Planet der verheißungsvollen heißen Liebesnächte heißer, als es für Paare gut wäre. Die Temperatur pendelt sich zwischen 430 und 490 Grad ein, Sauerstoff ist so gut wie nicht vorhanden und die Schwerkraft ist um ein Vielfaches höher als auf der Erde. Das einzige, das ihn mit der mythologischen Sichtweise verbinden könnte, ist seine Helligkeit. Neben dem Mond ist er der hellste Planet am Himmel: Der Morgenstern, Abendstern sowie der Stern von Bethlehem werden mit der Venus in Verbindung gebracht. Doch auch das ist für Liebespaare eher hinderlich, denen es recht wäre, wenn das Licht gerne dabei aus sein sollte.

Auf den Mond …

Der Mond war die meiste Zeit der Menschheit neben der Sonne der einzige Himmelskörper, der deutlich mit bloßem Auge erkennbar war – und somit ein beliebtes Projektionsobjekt der Menschen für Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste ihrer Zeit. Ein Vollmond weckt die romantischen Seiten einer Partnerschaft, Leidenschaft pur, ein Neumond macht sich auf die Suche nach neuen Erfahrungen in der Erotik, ein abnehmender Mond rät eher zu einer Beziehungspause, und die Apollo 11 Mission entromantisierte den Mond als einen reinen Staub- und Gesteinsbrocken, der schon einiges mitgemacht hat. Nicht zuletzt dient er auch als Ort für die Leute, die jeder gerne einmal auf den Mond geschossen hätte.

Heute wissen wir, dass wir es gerade den Einschlägen auf dem Mond und seiner Anziehungskraft zu verdanken haben, dass wir für kosmische Verhältnisse relativ unbehelligt von Einschlägen auf unserer Erde leben können. Im November 2021 schickte die amerikanische Weltraumbehörde erstmals eine Sonde ins All, um zu testen, ob der aktuelle Stand der Technik einen Asteroiden ablenken könne. Im Oktober 2022 soll die Sonde DART auf einem elf Millionen Kilometer entfernten und 170 breiten Asteroiden einschlagen mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde. In 2024 wird erneut eine Sonde ins All geschickt, um die Auswirkungen zu untersuchen.

Reise zu den Sternen und zurück

Sterne sind ebenfalls ein beliebtes Objekt für die Sehnsüchte und Wünsche der Menschen. In der Antike waren sie noch Löcher in einer Fixsternsphäre, die sich um ihr Zentrum Erde dreht. Durch sie wurde der Götterhimmel sichtbar. „Hoch hinaus wollen“, „nach den Sternen greifen“, all das kennzeichnet das Streben der Menschheit. Für Partner und Partnerinnen würde man die Sterne sogar vom Himmel holen oder zu den Sternen reisen und wieder zurück, da kein Weg zu weit.

Der nächste Stern ist das Doppelsternesystem Alpha Centauri, der Stern Proxima Centauri ist mit 4,2 Lichtjahren der am nächsten gelegene. Das Lichtjahr ist keine Zeit, sondern eine Entfernung: Das Licht braucht 4,2 Jahre mit einer Geschwindigkeit von etwa 300.000 Kilometern pro Sekunde, um den Stern zu erreichen. Bis man diesen erreicht hat und für seine Liebsten wieder zurückgekehrt ist, sieht man sicher nicht mehr so aus wie auf seinem Profilbild bei Tinder, quasi um Lichtjahre gealtert.

Es gehört zu den großen Erkenntnissen der Astronomie, dass aus einem fast vergöttlichten Stern auch nur eine Sonne und aus der Erde als Zentrum des Universums auch nur ein Planet geworden ist. Mehr ist es leider nicht. Schönheit, Gefühle und Ordnung sind Kategorien der Menschen, nicht der Sterne.

Kurz:

  • Von der Venus kommen keine Frauen, vom Mars keine Männer
  • das gesamte Universum hat mit großer Wahrscheinlichkeit nichts mit Liebe zu tun, es ist einfach nur da
  • der romantische und teils vergöttlichte Sternenhimmel sind auch nur Sonnen und Planeten

Hannes Bräutigam