Was steckt hinter den Nazca-Linien in Peru?

Von | 12. Juni 2020

Die Nazca-Linien in Peru gaben den Archäologen lange Rätsel auf. Sie scheinen versteckte Botschaften zu verbergen. Am Boden entstanden ergeben sie erst aus der Vogelperspektive ein sinnvolles Bild. Sind (mal wieder) Aliens im Spiel?

In der Wissenschaft gibt es manchmal glückliche Momente, in denen Forscher ein lautes „Hurra“, „Wow“ oder „Heureka“ von sich geben: „Heureka!“ bedeutet auf Griechisch „Hurra, ich habe es gefunden“. Als in den 1920er Jahren die Luftfahrt kommerzialisiert wurde, musste es den Piloten ähnlich ergangen sein, als sie die Atacama-Wüste in Peru an der pazifischen Küste überflogen. Was aus Sicht eines Wanderers wie alte Trampelpfade aussah, stellte aus der Vogelperspektive kunstvolle geometrische Figuren dar: ein Affe, ein Hund, zwei Hände und viele weitere Formen. Mittlerweile hat man mithilfe von Drohnen und Computern ein Netzwerk von über 1 500 Gebilden auf über 250 Quadratkilometern analysiert, teils mit zehn Kilometer langen Geraden: die Nazca-Linien, benannt nach dem anliegenden peruanischen Dorf Nazca.

Erst aus der Vogelperspektive ergeben die Figuren Sinn

Die Piloten haben sich wohl gefühlt wie die Entdecker einer verborgenen Botschaft. Wie konnten Menschen zwischen 200 v. Chr. und 600 n. Chr. derart kunstvolle geometrische Figuren in den Boden zaubern? Obwohl sie die Vogelperspektive, aus der erst alles einen Sinn ergibt, noch gar nicht zur Verfügung hatten. Genau die Frage nach dem tieferen Sinn, der wahren Botschaft, beflügelt Forscher und Parawissenschaftler.

Aliens haben wir alles zu verdanken

Und es gibt die unterschiedlichsten Theorien: Da es sich um ein Wüstengebiet handelt, könnte es sich um Hinweise auf unterirdische Wasserlinien handeln. Oder statt nach unten zu blicken, verraten die Nazca-Linien etwas über den Himmel, eine überdimensionale Sternenkarte. Möglicherweise helfen die Markierungen, dass Besucher aus dem Weltall auf der Erde landen könnten: Die Peruaner haben einen riesigen Weltraumbahnhof errichtet.

Der Schweizer Bestsellerautor Erich von Däniken schildert die Möglichkeiten, alles Unerklärliche auf dieser Welt durch Aliens erklären zu können. Ein Beispiel. Frage: Wie entstand Leben auf der Erde? Antwort: Mikroorganismen wurden durch Aliens auf die Erde gebracht. Das fasziniert ein Millionenpublikum.

So faszinierend die Hypothesen anfangs sein mögen, so langweilig werden sie mit der Zeit. Wie entstanden die Pyramiden von Gizeh? Aliens haben sie hingesetzt. Wer hat die Nazca-Linien gezeichnet und warum? Aliens. Fertig. Die spannenden Fragen der Archäologie, die sich mit den Hinterlassenschaften der Menschen im Boden beschäftigt, handeln davon, wie sich die Menschen verändert haben, was sie zu dem macht, was sie sind. Sie werden durch Aliens nicht geklärt.

Erich von Däniken und andere Vertreter der Prä-Astronautik trauen unseren Vorfahren nicht gerade viel bis keine Kreativität zu. Ein fast schon rassistisch abwertender Blick auf unsere eigene Vergangenheit. Wenn etwas kompliziert erscheint und keine Erklärungen da sind, suchen Menschen nach Strukturen und verbinden Dinge, die zwar ähnlich aussehen, aber nichts miteinander zu tun haben. Heute weiß man zum Glück mehr.

Unsere Vorfahren waren doch klüger

Vor ein paar tausend Jahren war die Atacama-Wüste mit Dauerregen teilweise überflutet, schwarzes Sedimentgestein setzte sich ab. Unter dieser Schicht lag helles Sediment. Die Bewohner von Nazca konnten die Steine wegräumen und somit eine helle und weithin sichtbare Linie zeichnen. An den Enden der Figuren finden sich Steinhaufen, die ehemals Altäre für Rituale darstellten.

Dort finden sich Keramikscherben und auch Schalen der Stachelauster, die als Symbol von Fruchtbarkeit und Wasser galt. Daneben konnten Pfähle aufgestellt werden. Verbindet man weit entfernte Pfähle, lassen sich exakte geometrische Figuren zeichnen. Bindet man ein Seil an einen Pfahl, läuft man perfekte Kreise um den Pfahl herum, wie der belgische Archäologie Peter Eeckhout herausgefunden hat.

Bitte um Hilfe von ganz oben

Deutsche Geophysiker untersuchten den Boden und stellten fest, dass das Gestein unter den Pfaden dichter ist als daneben. Als wären auf den Linien viele Menschen gelaufen. An anderen Sedimentschichten kann das Klima abgelesen werden: Um 600 n. Chr. herrschte eine lange Dürrephase. Die Bewohner von Nazca schritten in langen Prozessionen auf kunstvollen Linien zu ihren Kultstätten: Sie baten um Regen. Aliens sind also nicht mehr nötig für eine gute Erklärung.

Kurz und knapp

• Die Nazca-Linien in Peru stellen etwa 1500 kunstvolle Figuren auf über 250 Quadratkilometern verteilt dar.

• Jede Figur besteht aus einer einzigen Linie mit Eingang und Ausgang.

• In langen Prozessionen konnten die Bewohner die Pfadlinien abschreiten, zu ihren Altären wandern und um Regen bitten.

• Aliens werden als Theorie mit der Zeit langweilig.

Originalbeitrag erschien auf idowa.de und in der Freistunde des Straubinger Tagblatts.