Pluto: Ein Planet findet seine wahre Heimat

Von | 16. April 2020

Das Schicksal von Pluto macht traurig: Aus einem Planeten wurde ein Zwergplanet. Doch daraus kann man auch etwas lernen.

Pluto – von der Raumsonde „New Horizons“ fotografiert. Das Foto wurde bearbeitet, um die Oberflächenstrukturen deutlich sichtbar zu machen. Foto: NASA/JHUAPL/SwRI/dpa

Der 24. August 2006 war für Pluto ein schwarzer Tag. Gut, die dunkle Nacht wird er am Rande unseres Sonnensystems schon gewohnt gewesen sein, wurde er doch benannt nach dem römischen Gott der finsteren Unterwelt. Die International Astronomical Union (IAU) beschloss an diesem Tag in Prag durch Abstimmung, dass Pluto von nun an kein Planet mehr ist, sondern nur noch ein Zwergplanet. Da ging bei den Entdeckern von Pluto in Amerika natürlich ein Aufschrei durch die Reihen.

2 500 Wissenschaftler aus 75 Ländern definierten, was ein Planet ist und was nicht. Was Pluto das steinerne Genick brach, war der Umstand, dass er seine nähere Umgebung nicht genug von anderem kosmischen Material freigeräumt hatte. Mit anderen Worten: Seine Masse war zu gering, als dass er kleinere Gesteinsbrocken angezogen und sich einverleibt hätte. Er lässt ihnen ihre Eigenständigkeit und übernimmt sie nicht zur eigenen Bereicherung. Eigentlich war der Asteroid Eris schuld, der ein Jahr zuvor entdeckt worden ist. Eris war größer als Pluto. Leider. Daher musste umgedacht werden. Denn ein Himmelskörper, der kleiner als ein Asteroid war und die Würde eines Planeten hatte, das ging natürlich nicht.

Pluto ist nicht allein

Man darf nicht vergessen, dass selbst die Erde nicht immer als Planet galt. Im alten Griechenland zur Zeit des Aristoteles war die Erde kein Planet, sondern das Zentrum des Universums. Erst mit der Entdeckung, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht umgekehrt, wurde aus der Erde ein Planet unter vielen.

1930 wurde Pluto entdeckt, obwohl er am äußersten Rand unseres Sonnensystems seine einsamen Bahnen um die Sonne dreht und sogar kleiner als unser Mond ist. Neun Jahre brauchte die Raumsonde „New Horizons“, um schließlich Pluto aus 12 500 Kilometern Entfernung unter die Lupe zu nehmen. Neun Jahre nach seiner Abwertung zum Zwergplanet konnte man in noch nie dagewesener Detailgenauigkeit sein Herz fotografieren.

Der kleinste unter den Zwergplaneten ist Ceres, ein Himmelskörper zwischen Mars und Jupiter. Er wurde 1801 entdeckt und galt damals als der achte Planet, da noch niemand von Pluto etwas wusste. Als mehr und mehr Kleinkörper in dieser Region entdeckt wurden, wurde aus dem Planeten Ceres zunächst ein Kleiner Planet, dann Kleinplanet, Planetoid, Asteroid. Und letztlich wurde Ceres wie Pluto in die Klasse der Zwergplaneten eingereiht. Immerhin ist Pluto nun in der Kategorie der Zwergplaneten der Größte – will man der Größte sein, einfach mal die Kategorie wechseln.

Bei all den Neuentdeckungen musste neu definiert werden, was Planeten und was Kleinkörper wie Asteroiden ausmachen. So kam es, dass aus neun Planeten acht wurden. Pluto fiel durchs Raster.

Gekränkter Entdeckerstolz

Das war besonders für amerikanische Astrophysiker tragisch, denn Pluto war der einzige planet-ähnliche Himmelskörper, dessen Entdeckung auf ihr Konto gegangen ist. Der Bundesstaat Illinois wehrt sich bis heute gegen den Status des Zwergplaneten und behauptet weiterhin, Pluto wäre ein Planet. Der Entdecker von Pluto, Dr. Clyde Tombaugh, kam schließlich aus Illinois. Sie haben sogar einen eigenen Gedenktag eingerichtet. Doch sie vergessen leider andere erfolgreiche Astrophysiker aus Amerika. Geoff Marcy entdeckte die ersten 70 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, ebenso Paul Butler und Debra Fischer, das verrät Florian Freistetter von der Seite scienceblogs.de.

Eigentlich spricht nichts dagegen, Pluto genauso wie Ceres und andere aus dem Asteroidengürtel ebenfalls als Asteroid zu bezeichnen. Vielleicht war die Einführung der Kategorie Zwergplanet nur ein Kompromiss mit Rücksicht auf den amerikanischen Entdeckerstolz.

Doch so funktioniert Wissenschaft. Bessere Beobachtungen führen zu besseren Erkenntnissen über das Universum und man muss frühere korrigieren. Hätte die Entdeckung von Pluto mit besseren Teleskopen stattgefunden, wäre er vielleicht niemals als Planet kategorisiert worden – ganz egal, welche Demonstrationsplakate in Illinois aufgehängt werden.

Doch Namen sind Schall und Rauch. No-(heaven-)body is perfect. Pluto bleibt ein faszinierender Himmelskörper. Er ist zum Beispiel viel stärker den Jahreszeiten unterworfen als die Erde. Vielleicht ist es für Pluto besser so. Da, wo er nun als einer unter mehreren Asteroiden in den Kuipergürtel eingeordnet wird, ist möglicherweise seine wahre Heimat. Und seine wahre Heimat gefunden zu haben, ist vielleicht mehr wert als Namen wie Planet, Zwergplanet oder Asteroid.

Kurz und knapp

• 1930 wurde Pluto entdeckt und bekam den Planetenstatus.

• 2006 wurde die Kategorie der Zwergplaneten eingeführt, um Planeten von anderen Entdeckungen abzugrenzen. Pluto wurde in diese Kategorie eingeordnet.

• Die Kategorie Zwergplanet war vermutlich eine Kompromisslösung, um eine gefühlte Abwertung zu einem Asteroid in Grenzen zu halten.

• Neue Daten erfordern korrigierende Schlussfolgerungen. Das ist keine (Ab-)Wertung, sondern eine bessere Beschreibung der Wirklichkeit.

• Pluto bleibt ein faszinierender Himmelskörper.

Steckbrief

• Pluto ist von der Sonne im Durchschnitt rund 5,9 Milliarden Kilometer entfernt. Er befindet sich in unserem Sonnensystem hinter dem Neptun.

• Um einmal die Sonne zu umkreisen, benötigt Pluto 248 Erdenjahre.

• Pluto ist winzig, sogar kleiner als unser Mond.

• Auf seiner Oberfläche ist es rund -240 Grad Celsius kalt.

Originalbeitrag erschien auf idowa.de und in der Freistunde des Straubinger Tagblatts.