Künstliche Intelligenz im Weltall

Von | 28. Mai 2021

Die Entdeckung von außerirdischer Intelligenz wäre eine Sensation. Vielleicht würde diese künstlich sein. Wie auf der Erde.

Bild von Richard Starling auf Pixabay

Mit der Frage, ob wir allein sind im Universum, füllen wir ganze Klassenzimmer und Vorlesungsräume. Eine Entdeckung von außerirdischer Intelligenz würde das Leben auf der Erde, vermutlich auf den Kopf stellen. Am 15. August 1977 fing der Astrophysiker Jerry Ehman in Ohio ein Radiosignal auf, das so gar nicht in das übliche Spektrum des Universums passte. Er kringelte es auf einem Ausdruck ein und schrieb „Wow“ daneben. Seither ist dieses Wow-Signal ein beliebter Hinweis auf außerirdische Intelligenz, obwohl irdische Signalquellen nie ganz ausgeschlossen werden konnten. Hollywood hat um das Wow-Signal herum den Film „Contact“ mit Jodie Foster in der Hauptrolle gestrickt.

Außerirdische Intelligenz trifft auf künstliche

Noch bevor die Russen erstmals um den Mond herumgeflogen sind, bestand die Hoffnung, dass auf der Rückseite des Mondes Bewohner leben könnten. Die ersten besseren Teleskope glaubten auch auf dem Mars Bewohner entdeckt zu haben, die mit sogenannten Kanälen verbunden wären. Auch der erste Marsrover gab Anlass zu Spekulationen über Marsianer. Letztlich haben sich alle Hinweise als Täuschungen herausgestellt.

Heute gehen wir weniger davon aus, dass sich zuallererst Personen treffen, wenn wir von außerirdischem Kontakt sprechen. Eher treffen sich Maschinen wie zum Beispiel winzige Satelliten.

Künstliche Intelligenz hilft uns schon jetzt bei der Entdeckung und Identifizierung von Galaxien. Forscher aus Philadelphia/USA haben Millionen von Aufnahmen analysiert. Jesus Vega-Ferrero und Helena Dominguez-Sanchez setzen ein neuronales Netzwerk ein, das bisher über 27 Millionen Galaxien klassifizieren konnte. Das Netzwerk kann Aufnahmen analysieren, die tausendmal schwächer wären als bei dessen Vorgänger. Damit könnten weitere Fragen zur Galaxieentstehung geklärt werden.

Das Werkzeug der Zukunft

Das Weltraumteleskop Hubble beobachtet Tausende von Sterne und sammelt eine Unmenge von Daten. Sein Nachfolger TESS hat ebenfalls schon über 2000 Exoplaneten entdeckt, die weiter untersucht werden müssen. Sie alle gelten als Anwärter auf der Suche nach Leben im Universum, das nicht von der Erde stammt. Mit der künstlichen Intelligenz eines neuronalen Netzwerkes werden Vorarbeiten automatisiert geleistet. Der Mensch kann sich dann auf die aussichtsreichsten Kandidaten konzentrieren.

Dabei lernt auch das Netzwerk dazu. Die automatische Verifizierung von Exoplaneten wird umso treffsicherer, je mehr Kandidaten untersucht werden. Die KI der Forscher in Philadelphia liegt bereits bei 97 Prozent mit der Aufgabe, Millionen von Galaxien zu klassifizieren.

Unbekannte Welten entdecken

Nicht nur mit dem Raumschiff Enterprise werden unendliche Weiten entdeckt, auch mit den Werkzeugen der Naturwissenschaften: Mathematik und Physik. Ohne diese beiden Disziplinen wäre der Mensch wohl nie auf Ideen gekommen wie den mehrdimensionalen Raum, die Welt der Quantenmechanik oder der Stringtheorie. Ein wenig ähnelt es dem Blick durch das erste Mikroskop oder das erste Teleskop.

Neuronale Netze und künstliche Intelligenz dienen vielleicht auch dazu, neue Welten zu entdecken, die sich der Mensch aufgrund eigener Vorstellungskraft noch gar nicht ausmalen könnte. Der Versuch, Mathematik und Physik als Universalsprache einzusetzen, um Außerirdische zu kontaktieren, ist auch nicht neu. Der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauss schlug vor, ein Feld zu bepflanzen nach der Form des pythagoräischen Satzes. In der Weite einer sibirischen Steppe könnte ein gigantisches gleichseitiges Dreieck gepflanzt werden, das mit den zugehören Quadraten ein Signal an Mondbewohner aussenden könnte: Wir sind hier und wir verstehen die Grundsprache des Universums, a2+b2=c2. Sprecht mit uns.

Doch bei all den unbekannten Entdeckungen, die uns noch bevorstehen, können uns keine Instrumente, sei es nun Physik oder Mathematik, das Staunen erklären, warum überhaupt etwas da ist und wozu wir uns überhaupt diese Mühe mit den Wissenschaften machen. Das ist dann die Aufgabe der Philosophen und Theologen.

Kurz und bündig:

  • die Frage, ob wir allein sind im Universum, zählt zu den großen Fragen der Menschheit
  • künstliche Intelligenz übernimmt immer mehr Aufgaben in der Suche nach Exoplaneten und Galaxien
  • vielleicht ist die Entdeckung einer außerirdischen Intelligenz gleichzeitig eine künstliche: Sie entdeckt sich selbst
  • niemand kann erklären, warum überhaupt etwas da ist, das wir erklären möchten