Audi quattro auf dem Mond

Von | 6. April 2018

Vor 60 Jahren landeten die ersten technischen Geräte auf dem Mond. Genauer gesagt, sie zerschellten. Jetzt soll ein Audi quattro hinauf. Hoffentlich bleibt der ganz.

Damit will Audi auf den Mond: der Audi lunar quattro. Foto: AUDI AG

Wenn es nach der Autofirma Audi geht, soll im Jahr 2019 ein Audi quattro auf dem Mond herumfahren. Vor 60 Jahren schickten Menschen die ersten technischen Geräte zum Mond. Und auch die gelangten nur dorthin, weil sie abgestürzt sind. Die waren Schrott. Mit dem Audi soll das natürlich nicht passieren.

Was bisher geschah in der Geschichte der Raumfahrt, lässt immerhin hoffen. Sollte es der Audi quattro bis zum Mond schaffen, ist er dort nicht das erste Auto. Bereits 1971 brachten die Amerikaner ein Auto auf den Mond, zwei weitere folgten. Diese Mondautos hatten all das nicht, was ein amerikanisches Auto ausmacht: schicke Karosserie, bequeme Sitze, hoher Spritverbrauch. Das erste Mondauto bestand hauptsächlich aus viel Gestänge, wurde mit Batterien angetrieben und kurvte auf dem Mond mit acht Kilometern pro Stunde herum. Das Vorhaben „Mission to the Moon” hat gemäß Audi zum Ziel, „den Mond als zukünftigen Lebensraum für die Menschheit zu erforschen”. Naja, und das Logo von Audi zu zeigen.

Das Unternehmen arbeitet mit jungen Leuten aus Berlin zusammen, die das Start-up „PTScientists“ gegründet haben. „PT“ steht für „Part-Time“, doch das Projekt, erstmals seit 1972 wieder ein Auto auf den Mond zu schicken, ist ein Full-Time-Job. Und damit sind sie nicht die einzigen.

Mit „wenig“ Geld in den Weltraum

Unter dem Begriff New-Space entwickelt sich eine Start-up-Bewegung in Sachen Raumfahrt. Die Preise, um eine Trägerrakete in den Weltraum zu schießen, befinden sich im Sinkflug. So werden Weltall-Projekte auch für kleinere Unternehmen finanzierbar. Es müssen nicht die Milliarden des amerikanischen Unternehmers Elon Musk sein, der sein Elektroauto Tesla in Richtung Mars schoss. Was für Elon Musk „ein kindischer Spaß“ war, war früher ein Wettlauf ins Weltall und forderte viele Opfer.

Sowohl die Russen als auch die Amerikaner haben ein Raumfahrtprogramm. Beide wetteiferten Mitte des vergangenen Jahrhunderts darum, wer den ersten Satelliten ins All beförderte, die erste Raumstation, das erste lebende Tier, den ersten Menschen oder das erste Auto auf den Mond. Es zählte weniger die Sicherheit der Astronauten als vielmehr schneller zu sein und den anderen zu übertrumpfen.

Heute geht es nicht mehr nur darum, Erster zu sein, sondern den Traum vom Reisen im Weltall für viele Menschen zu verwirklichen. Die Leute von „Blue Horizon Deutschland“ kümmern sich beispielsweise darum, Pflanzen auf anderen Planeten wachsen zu lassen. Als Probematerial dient das Mondgestein.

Handstaubsauger und Akku-Bohrer

Für manchen mag das wie eine Luxus-Wissenschaft aussehen. Wir haben auf der Erde doch genug ungelöste Probleme! Sollte „Blue Horizon“ allerdings Erfolg haben, könnte auch in der Wüste Ackerbau betrieben werden. Und darum geht es ebenfalls in der New-Space-Bewegung: Nicht den Ehrgeiz einer Regierung zu befriedigen oder den Traum einer Marketingabteilung zu erfüllen, sondern echte “irdische” Probleme zu lösen.

So hat der Start-up in den Weltraum etwas Nützliches für den Menschen. Wie in den 1960er Jahren, als der Handstaubsauger erfunden wurde, damit sich die Astronauten den Sternenstaub vom Raumanzug saugen konnten. Oder der Akku-Bohrer, weil es auf dem Mond keine Steckdosen gibt.

Start-up-Szene „New-Space“

PTScientists: Planen Mondmission zusammen mit Audi und Vodafone.

Blue Horizon Deutschland: Pflanzen sollen auf Mond- und Marsgestein wachsen. Und in der Wüste.

German Orbital Systems: Software für Trägerraketen und Satelliten für Kunden. Die Erde umkreisen derzeit über 1 700 Stück.

Kaskilo: Zwölf Satelliten für besseren Mobilfunk und Kommunikation unter Maschinen (Autos).

Mundialis: Open Source Software, um Satellitendaten auswerten zu können.

Valispace: Projektmanagement für Weltraumingenieure. Weil es das nicht gab, ist 1999 eine Marssonde abgestürzt.