Keine schwache Kost

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Was haben die Perseidenschauer mit dem heiligen Laurentius zu tun?

(Foto: Michał Mancewicz auf Unsplash)

Was haben Jesus von Nazareth, der erste römische Kaiser Augustus, Dschinghis Khan und Karl der Große gemeinsam? Zum Zeitpunkt ihrer Geburt ereigneten sich sagenumwobene Himmelsereignisse. Bei Augustus erschien kurz vor der Geburt ein Sonnenring (ein Halo-Phänomen) über Rom. Dies wurde als Zeichen weltweiter Herrschaft gedeutet. Bei Khan war es eine seltene Planetenkonstellation am Nachthimmel. Dabei stand der rote Planet Mars (symbolisch für Krieg) besonders dominant. Und bei Jesus – das kennen wir alle – war es ein Stern mit einem Kometenschweif. Dieser Stern ziert viele Krippen. Sterne haben in der Regel keine Schweife. Es soll jedoch einen sehr hellen Stern am Himmel gegeben haben, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe geführt hat. Ein einzelner Punkt am Himmel. Machen Sie den Selbstversuch: Suchen Sie sich einen hellen Stern am derzeitigen Himmel aus – Jupiter oder Venus wären beispielsweise gute Kandidaten – und folgen Sie diesem einen Punkt am Himmel. Dann schauen Sie mal, wohin Sie kommen. Meine Prophezeiung: Ihr Schrittezähler wird es Ihnen danken. Denn es gibt keinen Endpunkt.

Patron der Humoristen

Es gibt noch einen weiteren Kandidaten. Der Himmel galt als Spiegel der Ereignisse auf der Erde. Am 10. August feiern wir den Namenstag des Heiligen Laurentius. Er wird unter anderem auch als Patron der Humoristen verehrt. Was ebenfalls ein paar Tage später im August stattfindet, ist der sogenannte „Perseiden-Schauer“. Dabei handelt es sich um ein Himmelsphänomen, das über mehrere Tage hinweg für einen Reigen an sternschnuppenähnlichem Leuchten am Himmel sorgt. Im Jahr 2026 findet es um den 12., 13. August herum statt. Aufgrund der Nähe zum Namenstag des Hl. Laurentius werden diese auch „Tränen des Laurentius” genannt. Wieso Tränen?

Über das Leben des Hl. Laurentius gibt es nur wenige Quellen aus dem 5. bis 7. Jahrhundert. Er lebte im 3. Jahrhundert und starb tragischerweise als Märtyrer, da das Christentum damals noch nicht als Religion geduldet wurde, geschweige denn als Staatsreligion. 20 Jahre später hätte das Schicksal des Hl. Laurentius ein anderes sein können. Der Legende zufolge wurde er vom damaligen römischen Kaiser Valerian aufgefordert, ihm die Schätze der Kirche auszuhändigen. Was machte Laurentius? Er verteilte den gesamten Kirchenbesitz blitzschnell an die Armen, Kranken und Bedürftigen der Stadt, anstatt das Gold zu übergeben. Am dritten Tag marschierte er mit einer riesigen Schar von Bettlern, Lahmen, Blinden und Waisen vor und präsentierte sie dem Herrscher mit den Worten: „Hier sind die wahren Schätze der Kirche! Sie ist reicher als der Kaiser!”

Der wütende Herrscher ließ Laurentius foltern und schließlich auf besonders grausame Weise hinrichten. Er sollte auf einem glühenden Eisenrost über den Flammen langsam zu Tode geröstet werden. Die bekannteste Legende besagt, dass Laurentius selbst unter diesen extremen Qualen seinen Humor und seinen festen Glauben nicht verlor. Nach einer Weile auf dem Feuer soll er seinen Peinigern, also dem Henker und dem kaiserlichen Richter, fröhlich zugerufen haben: „Auf dieser Seite bin ich nun gar, dreht mich um und esst!“ Angeblich bekehrte sich der Henker aufgrund dieser Erfahrung anschließend zum Christentum. Aufgrund der Qualen, der vergossenen Tränen und der Blutstropfen erhielten die Perseidenschauer ihren Namen „Laurentiustränen”.

Die Entzauberung der Himmelsphänomene

Entfernt man die Deutung von den Phänomenen selbst, bleibt manchmal nicht viel übrig. Im Falle der „Tränen des Hl. Laurentius” ist es grob gesagt einfach eine Staubspur, die ein Komet im 19. Jahrhundert auf seinem Flug durch unser Sonnensystem hinterlassen hat. Im August fliegt die Erde durch diese Partikel aus kleinen Gesteinen und Staub. Diese treffen mit extrem hoher Geschwindigkeit auf unsere Atmosphäre. Die meisten verglühen dabei nicht, wie oft fälschlicherweise beschrieben wird, sondern das Leuchten hat einen etwas komplexeren Hintergrund. Durch die Geschwindigkeit verdichtet sich die Luft vor den Teilchen sehr stark. Sie nimmt dadurch Energie auf und die Atome geben Elektronen ab. Die Luft ionisiert sich. Später werden diese Elektronen wieder “eingefangen”, Energie wieder abgegeben und Lichtpartikel werden emittiert. Das ist die unromantische Physik hinter den romantischen Schauern.

Ganz nebenbei bemerkt betrifft es auch das, was uns die Astrologie verkünden mag – nicht zu verwechseln mit der Astronomie. Astronomie ist die Wissenschaft der Himmelsgesetze, Astrologie hingegen ist eine willkürliche Deutung von Linien, die der Mensch zwischen Planeten und Gestirnen gezogen hat, und ihre Auswirkungen auf unser individuelles Leben. Von einem anderen Planeten oder gar einem anderen Sonnensystem aus betrachtet, würden sich diese Linien ganz anders verhalten und die Tierkreiszeichen, Aszendenten etc. wären so nicht mehr existent. Und was nicht existiert, muss auch nicht gedeutet werden. Zum Zeitpunkt der eigenen Geburt hätte die “Masse” einer Hebamme mehr „Wirkung” auf den Säugling als die Venus oder der Neptun. Der „Himmel” ist auch kein Ort, an dem sich Götter, Halbgötter, das Spaghettimonster oder auferstandene Seelen aufhalten. Dort oben ist es einfach sehr kalt und leer. Es können sich natürlich noch andere Erkenntnisse ergeben. Bis dahin bleibt jedoch das Zeugnis gültig, für das der Heilige Laurentius sein Leben geben musste: Wohin ist Jesus Christus auferstanden? In die Herzen der Seinen.