Wahrheit, Werbung und Gedrucktes

By | 26. Januar 2017
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Wie ihr vielleicht wisst, hat das Jahr begonnen. Für mich auch eine neue Arbeit. Ich arbeite nun im Online Bereich der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung. Naja, das Jahr ist noch jung, die Arbeit auch (die Mitarbeiter ebenfalls), die Probezeit drei Monate. Wer weiß, vielleicht werde oder muss ich in zweieinhalb Wochen wieder so eine Nachricht schreiben. Aber ich arbeite dagegen.

SEO und Werbung

Heute bin ich beim Texten für einen Newsletter überraschend schnell in einen Werbejargon gefallen. Ich war etwas verwundert. Neben dem Hype des Content Marketings, Content Writing, SEO etc. pipapo gibts ja immer noch den guten alten Werbetexter. Wobei, so alt sind die meistens gar nicht. Zumindest in einem Alter, in dem sie noch verheizt werden können. Ein aktueller Slogan der Mediengruppe lautet in etwa: Jeder liest anders. Alle lesen das Straubinger Tagblatt.

Etwas auf dem Heimweg nach München über Werbeslogan siniert. In Zeiten des Postfaktischen, der alternativen Fakten, der Lügenpresse usf. steht im Hintergrund ja die Wahrheitsfrage. Und das ist traditionell ja eine philosophische. Aber auch eine der Lebensweisheiten.

Betrunkene Redakteure als Wahrheitskriterium

Kinder und Betrunkene sagen ja bekanntlich die Wahrheit. Sie lügen nicht wie gedruckt. Wie bringt man nun den Leser eines Lokalblattes dazu, im Gedruckten nicht das Gelogene zu vermuten? So als Slogan? Eine Mindestpromillegrenze für Redakteure einführen? Oder ein Maximalalter? Lesen und Schreiben sollten sie ja schon können. Das sind vermutlich wohl keine ernstzunehmenden Lösungsansätze. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass diese Weisheiten eher im Volksmund zu finden sind und nicht in den großen philosophischen Wahrheitstheorien.

Kindliche Wahrheitstheorie

Wobei das Kindsein als Gegenstand philosophischer Betrachtung durchaus Beachtung findet. Leider noch viel zu wenig beachtet. Also was dazu etwa schon geschrieben wurde. Aber das Kindsein oder Betrunkensein spielt jetzt zum Beispiel in der Korrespondenztheorie der Wahrheit eine eher untergeordnete Rolle. Wenn dieser Theorie zufolge Wahrheitserkenntnis möglich ist nach dem Grad der Übereinstimmung von Fakten und Überzeugung, dann wäre der Grad der gedruckten Lüge wiederum von der Faktenlage abhängig und dem, was eben zu lesen ist. Das stimmt wiederum überein mit Umfragenergebnissen, wonach der Leser dem Gedruckten noch mehr Tatsachenkenntnis zutraut als etwa einem Blogger. Hm. Vielleicht sollte ich das hier dann besser ausdrucken.

Soviel zu dem Sinieren. Wie bringt man das nun auf einen Slogan? Die gedruckte Lüge und die recherchierte Tatsachenlage? Ich arbeite daran. Zumindest noch zweieinhalb Monate.

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